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  • Dr. Albrecht Gundermann

Über einen aufgeregten Bundestagskandidaten der Grünen - vom 04. November 2020


Grün- und Sportausschuß des Bezirkes Altona gestern. Die Grünen haben einen Antrag eingebracht zur Förderung in Höhe von EUR 28.000 für den Verein „Tyger Trimiar Gym e.V. - Fighting for Gender Diversity and Equality in Sports“. 11 Menschen haben sich zusammengefunden und möchten für vordergründig gute Ziele einen neuen Sportverein gründen. Ich melde mich zu Wort und erkläre, daß Sportvereine im Zweifelsfall immer unterstützt werden sollten, denn solche privaten Initiativen bilden das Rückgrat unserer Gesellschaft, bringen Menschen zusammen und tragen zur Integration in jeder Hinsicht bei. In den 5 Jahren, die ich im Ausschuß erlebt habe, war das immer die große Linie. Nur die Grünen und die Linken haben gelegentlich genörgelt. Zudem erkläre ich, daß alle vermutlich Verständnis haben, wenn sich Menschen, die sich an anderen Orten nicht wohl fühlen, einen Raum für sich schaffen möchten, um Sport auszuüben.


Allerdings weise ich darauf hin, daß ich Probleme sehe, die wir bei der Debatte im Ausschuß nicht ignorieren sollten. Auf der Website des Vereins heißt es u.a.:

„In Bezug auf Rassismus sind wir unterschiedlich betroffen. Momentan sind wir überwiegend weiße FLINT*-Personen. Das bedeutet, die meisten von uns haben innerhalb dieser rassistischen Gesellschaft Vorteile.“ Dem habe ich entgegengehalten: Deutschland ist keine rassistische Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der es Rassismus zweifellos gibt, ist nicht zwangsläufig eine „rassistische Gesellschaft“. Die im Ausschuß vertretenen Parteien repräsentieren mehr als 90% der Wähler. Denn die AfD war noch nie im Ausschuß. Wir sollten nicht kritiklos hinnehmen, wenn die Wähler – zumindest mehrheitlich – als Rassisten beschimpft werden. Das wirft die Frage auf, was damit gemeint ist und, was die Protagonisten für Schlußfolgerungen daraus ziehen? Klar erkennbar ist eine politische Agenda, die wir von keinem anderen Sportverein kennen, der sich um öffentliche Förderung bemüht. Im Ausschuß stellte ich die Frage, ob wir auch Sportvereine unterstützen würden, die sich zum Beispiel gegen oder für die Kernenergie aussprechen? Wohl kaum ...


Weiter bekennt man sich auf der Website des Vereins zu „linken Räumen“ und der „linken Kampfsportszene“. Was damit genau gemeint ist, wird nicht klar. Erlaubt habe ich mir die Frage, was mit Menschen der betreffenden Personengruppen ist, die nicht „links“ sind? Sind die ausgeschlossen? Auch so etwas kennen wir von keinem anderen Sportverein. Die einzige, wenngleich auch fernliegende Analogie, sind die ethnischen Sportvereine, die sich ausgebreitet haben. Auch diese Entwicklung halte ich für unglücklich. Nichtsdestotrotz sind alle diese Vereine offen für andere Menschen, wie jede Mannschaftsaustellung im Fußball zeigt. Kurz: Nach meiner Kenntnis gibt es keine anderen Vereine, die so sehr andere Menschen ausschließen, wie dieser von den Grünen unterstützte Verein.


Deshalb habe ich im Ausschuß betont, daß man in einem freien Land, wie es Deutschland ist, machen könne, was man wolle. Aber das für den in Frage stehenden Verein nach meiner Überzeugung keine Steuergelder gewährt werden sollten. Dabei füge ich noch hinzu "in der jetzigen Fassung". Natürlich kann man diese Kritikpunkte auch heilen.

Eine Diskussion erfolgte nicht. Der SPD Sprecher sorgte sich vor meiner Wortmeldung darum, daß in diesem Verein die nächste 1. Mai Randale vorbereitet würde. Nur der sportpolitische Sprecher der Grünen, Dr. Hector, der bisher in angenehmer Weise die Grünen in dieser Amtszeit endlich mal dem Vereinssport nähergerückt hat, meldete sich auf meine Wortmeldung. Er hatte nur zwei Dinge zu sagen: Von der CDU sei ja „nichts anderes zu erwarten“. Und klar, daß so etwas „von einem weißen CIS Mann“ komme. Dr. Hector wird laut Presseberichten der Direktkandidat der Grünen im Bezirk Altona für die Bundestagswahl. Auf meine Argumente ging er nicht ein. Zugute halte ich ihm, daß er nicht „alter, weißer CIS-Mann“ gesagt hat. Aber mal im Ernst: Ist es vertretbar, auf Hautfarbe und Geschlecht der politischen Kontrahenten anzuspielen und mit dieser Begründung eine Diskussion abzulehnen? Um es plastisch auszudrücken: Was würde geschehen, wenn in einer anderen Debatte, eine andere Partei, z.B. die AfD sagt „war ja klar, daß so etwas von einer kopftuchtragenden, dunkelhäutigen Frau kommt“? Protest von allen Seiten wäre die Folge. Der Vorsitzende des Ausschusses würde mindestens einen Ordnungsruf aussprechen, vermutlich aber den Täter des Saales verweisen und von der Sitzung ausschließen. Unser Ausschußvorsitzender von den Grünen tat nichts und stimmte dann dem Antrag zu.


Nach Ende der Veranstaltung ging ich auf Dr. Hector zu, um ihm zu sagen, daß er es sich zu einfach mache. Offen gestanden hatte ich das Ziel, mich zu verabreden für ein Gespäch, weil ich diese Themen interessant finde und auch Fragen an ihn hätte. Unter vernünftigen Menschen muß der Austausch doch möglich sein? Er giftete mich nur an und beschimpfte mich. Ein Gespräch lehnte er ab. Toller Typ. Hinzufügen möchte ich: In den meisten Fällen sind die Grünen bisher gesprächsfähig gewesen. Die heutigen Mehrheitsverhältnisse scheinen eine schlechte Wirkung zu haben.

Der guten Ordnung halber: Die SPD und die FDP haben sich enthalten. Immerhin.

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